Strackenhof

Der Stracken Hof in Endorf, das einst so umstrittene Gebäude, ist heute ganz unumstritten das älteste steinerne Bauernhaus und sicher auch eines der schönsten historischen Gebäude im Sauerland. Abriss oder Aufbau? – Das 1634 erbaute Haus stand völlig marode und einsturzgefährdet in der Mitte Endorfs. Es gab große Gegenwehr gegen das Vorhaben, es unter Denkmalschutz zu stellen. 2007 erhielt der damalige Besitzer eine Abrissgenehmigung. Die Befürworter des Gebäudeerhalts unter Führung des Endorfer Bürgers Norbert Rademacher (†) gründeten am 9. Oktober 2007 den gemeinnützigen Verein IG Stracken Hof e. V., nachdem Prof. Dr. Dietrich Maschmeyer von der IG Bauernhaus e. V. die historische Bedeutung des Stracken Hofs als ältestes Steinhaus des kurkölnischen Sauerlandes hervorhob. 2009 hatten die Befürworter eine erste Hürde geschafft: Der Stracken Hof wurde unter Denkmalschutz gestellt. Eine schwere, aber im Rückblick sehr erfolgreiche Zeit begann für die Interessengemeinschaft. Fördergelder beantragen, den Aufbau organisieren, eng mit dem Architekten und dem Beauftragten des Westfälischen Amtes für Denkmalpflege zusammenarbeiten, die Vorschriften beachten und viel Eigenleistung einbringen sowie immer wieder für Akzeptanz des alten Gebäudes werben – das waren die Aufgaben der IG Stracken Hof. Viele schlaflose Nächte lagen hinter dem Team, als am 14. November 2011 Richtfest gefeiert werden konnte. „Bald wär’s zu diesem Fest nicht gekommen, denn man hatte mit dem Abriss fast schon begonnen. Vom Neubau hielt man nicht viel, weil dieses Haus manch einem nicht gefiel“, ging Heiner Hoff beim Richtspruch auf die Vergangenheit des Hofes ein, um dann die Zukunft zu beschwören: „Der Geist der Gemeinschaft hier soll erblühen, der Bürger soll hier nach des Alltages Mühen, Erholung, Zerstreuung und Freude erleben und fröhlich den Becher zum Trunke erheben.“

Die Arbeit wurde nicht weniger, doch im Ort wuchs die Akzeptanz des Gebäudes mit jedem Bauabschnitt. Es fanden sich zahlreiche ehrenamtliche Helfer, die anfassten. Heimische Betriebe übernahmen die Renovierungsarbeiten mit viel Liebe und Sach-verstand. Als sich im September 2011 das verloren geglaubte Deelenpflaster – die Knochensteine – wiederfand, war die Freude groß. Das bedeutete zwar noch mal viel Arbeit für die Ehrenamtler – jeder Stein musste geschnitten und im Fischgrätmuster verlegt werden –, doch ein großes Stück Historie war zurückgekehrt. Nach unzähligen weiteren Hürden, die genommen werden mussten, feierte die IG Stracken Hof mit den Endorfern und zahlreichen Ehrengästen am 30. Juni 2013 die Einweihung mit einem Festakt. Mit Leben gefüllt Nun musste das Gebäude mit Leben gefüllt werden. Der Rat der Stadt Sundern erklärte den Stracken Hof zur Außenstelle des Sunderner Standesamtes. Aufgrund des besonderen Ambientes ist der sanierte Hof inzwischen zu einem beliebten Hochzeitsort geworden. Moderne Technik ermöglicht Fortbildungsveranstaltungen im angemessenen Rahmen. Im Oktober 2013 kam noch eine weitere Teilnutzung dazu: Es wurde eine Ehrenamtskneipe eröffnet, die an maximal zwei Wochenenden im Monat betrieben wird. Da es im Ort keinen Gasthof mehr gibt, entspricht dies dem Wunsch eines großen Teils der Endorfer Bevölkerung. Die Ehrenamtskneipe erwirtschaftet mittlerweile einen Gewinn, der den Vereinen und Institutionen Endorfs zugutekommt.

Text: Beate Feische